Was wir als Tischlerei früh wissen müssen – damit Maßmöbel so umgesetzt werden können, wie sie geplant sind
Erfahrungen aus dem Möbelbau und Innenausbau in Berlin & Brandenburg

1. Maße sind nicht gleich Maße
Eine der wichtigsten Grundlagen für Maßmöbel sind verlässliche Maße. In der Praxis bedeutet das: Planmaße, Rohbaumaße und tatsächliche Einbaumaße unterscheiden sich oft deutlich – besonders im Berliner Altbau, aber auch bei Neubauten im Raum Brandenburg.
Für uns ist entscheidend zu wissen:
- Auf welche Bezugskanten sich Maße beziehen
- Ob Höhenangaben auf Rohboden oder fertigen Fußboden bezogen sind
- Welche Flächen bereits endgültig hergestellt sind – und welche nicht
Je klarer diese Punkte sind, desto besser lassen sich Möbel konstruieren, die am Ende wirklich passen – unabhängig davon, ob es sich um ein Einfamilienhaus, eine Wohnung oder ein Büroprojekt handelt.
2. Wand ≠ Wand (aus Tischlersicht)
Aus Tischlersicht ist eine Wand selten einfach nur „eine Wand“. Gerade Altbauwände sind oft nicht lotrecht, nicht eben oder verlaufen über die Länge leicht versetzt. Aber auch neue Trockenbauwände haben Toleranzen, die sich im Möbelbau bemerkbar machen.
Das führt manchmal zu Rückfragen, die auf den ersten Blick kleinlich wirken mögen. Tatsächlich geht es dabei darum zu entscheiden:
- Wird ein Möbel der Wand angepasst oder bewusst mit Fuge gestellt?
- Wo sollen Unebenheiten „verschwinden“ – im Möbel oder im Baukörper?
- Welche Seite ist sichtbar, welche nicht?
Diese Entscheidungen haben Einfluss auf Optik, Aufwand und spätere Wirkung im Raum – insbesondere bei hochwertigen Maßanfertigungen im Innenausbau.

3. Installationen & Möbel – die unsichtbare Kollision
Ein Klassiker aus der Praxis: Möbelplanung und technische Installationen sind für sich genommen schlüssig – kollidieren aber im Detail. Steckdosen, Heizungsrohre, Revisionsöffnungen oder Lüftungsauslässe liegen genau dort, wo ein Einlegeboden, eine Rückwand oder eine Befestigung vorgesehen ist.
Für uns ist hilfreich zu wissen:
- Wo technische Bauteile fix sind
- Welche Elemente zugänglich bleiben müssen
- Wo es Spielräume gibt
Ein kurzer Abgleich im Vorfeld verhindert hier häufig aufwendige Anpassungen kurz vor der Montage – ein Punkt, der auf Baustellen in Berlin & Brandenburg immer wieder Zeit und Nerven spart.

4. Materialien im Entwurf vs. Materialien in der Werkstatt
Holz ist ein lebendiges Material. Maserung, Farbspiel und Struktur lassen sich nie vollständig standardisieren – selbst innerhalb einer Holzart. Was im Muster ruhig wirkt, kann im großen Format deutlich lebendiger erscheinen.
Deshalb sprechen wir Materialien gern früh gemeinsam durch:
- Welche Flächen sind groß und ruhig?
- Wo dürfen Unterschiede sichtbar sein?
- Wie verändern sich Oberflächen mit der Zeit?
Diese Gespräche helfen, Erwartungen abzugleichen und spätere Überraschungen zu vermeiden – besonders bei maßgefertigten Möbeln aus Holz.
5. Details, die in der Zeichnung klein sind – aber in echt groß wirken
In der Zeichnung sind Fugen, Kanten oder Übergänge oft nur Linien. In der Realität prägen sie das Möbel entscheidend. Ob eine Fuge bewusst gesetzt wird oder „verschwindet“, ob eine Kante scharf oder weich ausläuft – all das beeinflusst den Gesamteindruck.
Aus unserer Sicht lohnt es sich, diese Details früh zu benennen:
- Welche Kanten sind sichtbar?
- Wo sind Fugen gewünscht?
- Welche Übergänge sollen betont werden – welche nicht?
Gerade bei reduzierten Entwürfen machen diese Feinheiten den Unterschied.

6. Was für uns eine gute Zusammenarbeit ausmacht
In der Zusammenarbeit mit Architekturbüros erleben wir immer wieder, dass Klarheit der Schlüssel ist. Klare Ansprechpartner, frühe Gespräche und Offenheit für Alternativen machen Projekte entspannter – für alle Beteiligten.
Wenn wir als Tischlerei früh eingebunden sind, können wir...
- konstruktive Vorschläge machen
- auf mögliche Stolpersteine hinweisen
- Lösungen entwickeln, die Gestaltung und Machbarkeit verbinden.
Maßmöbel entstehen nicht erst in der Werkstatt, sondern lange vorher – im Zusammenspiel von Entwurf, Raum und handwerklicher Umsetzung. Je früher dieses Zusammenspiel beginnt, desto näher kommt das Ergebnis an das, was ursprünglich gedacht war.
Nicht, weil jemand etwas „besser weiß“, sondern weil unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Und genau darin liegt aus unserer Sicht die Stärke guter Zusammenarbeit im Möbelbau und Innenausbau in Berlin & Brandenburg.









